12. Kurt Weill Fest (2004)
Das 12. Kurt-Weill-Fest von 27. Februar bis 7. März 2004 in Dessau, widmete sich in diesem Jahr dem Motto "Stadtkultur" und mit der Premiere der Weill-Oper "Street Scene" in einer Inszenierung von Nicolas Muni, dem künstlerischen Leiter der Cicinnati Opera. Mit ihm hatte die Kurt-Weill-Gesellschaft als Veranstalter einen Mann gefunden, der im letzten Jahr gerade diese "amerikanische" Oper in Cincinnati mit Erfolg auf die Bühne gebracht hatte: Amerikanisch deshalb, weil sie weder einer Oper im klassischen europäischen Sinne entspricht noch ein Musical ist.
Für den Spielort Dessau haten sich Muni und Berg eine Nachkriegskulisse erdacht, in der sich ein junges Mädchen ein besseres Leben in Amerika erträumt und davon erzählt. Doch ihre Vorstellung von Amerika erwies sich als illusionistisch.
Insgesamt gab es über 30 Veranstaltungen im Rahmen des Festes: Konzerte, Oper, Ballett, Vorträge, Führungen, Performances, Filme und Bälle. In diesem Jahr war als "Artist-in-Residence", die Sopranistin Christine Schäfer, die bei drei Veranstaltungen mitwirkte, unter anderem mit dem Stefan-Raabe-Orchester. Die Münchner Symphoniker führten Kurt Weills Mahagonny-Songspiel auf. Besonderer Gast war Esther Ofarim, die erstmals in den neuen Bundesländern auftrat und ein von Weill bearbeitetes jüdisches Volkslied in ihrem Repertoire mitbrachte.
Für die Jugend hatte man, mit einer interessanten Tanzdarbietung, die französische Hip-Hop Formation Black Blanc Beur eingeladen. Die Farben stehen dabei für die unterschiedliche ethnische Herkunft der Mitglieder. Tanztheater aus Frankreich war so die enorm populäre Compagnie "B 3", mittlerweile auf vielen in- und ausländischen Festivals zu Gast, mit ihrer multikulturellen Besetzung war sie im Hangar zu erleben sein. Hautnah konnte man die Tänzer bei einem HipHop-Tanzworkshopim Liborius-Gymnasium erleben.
Im Anhaltischen Theater wurde Gregor Seyffert & Companie, ein Doppelprogramm mit "Der Neue Orpeus" - eine Kombination aus Konzert, Kantate, Oper und Kabarettsong und "Die Sieben Todsünden" ein Ballettlibretto für ein Werk Brechts, für dass Kurt Weill die Musik geschrieben hatte, geboten. Premiere war "Sinfonie der Großstadt" im Musiktheater in der Marienkirche, die Filmmusik zur Ruttmanns Film xBerlin.
Weitere Filme im Programm waren "18, Mahagonny" und der Vortrag mit Film "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny".
Das 12. Kurt-Weill-Fest, das vom 27. Februar bis 7. März 2004 stattfand, steand unter dem Motto "Stadtkultur". Dieses Thema kam nicht von ungefähr, denn die Musik Kurt Weills war immer auch die Musik der Straße. In ihr spiegelte sich das städtische Leben in all seinen Facetten wider. "Asphaltmusik" nannten die Machthaber des dritten Reiches abfällig diese Musik. Was als Beleidigung gedacht war, bedeutete für Kurt Weill ein großes Kompliment, wie er einmal in einem Interview bezeichnenderweise bemerkte.
Über 300 Künstler, u. a. aus den USA, Frankreich, Deutschland und Israel, würdigten in rund 30 Veranstaltungen das Schaffen Kurt Weills. Den Auftakt des Festes bildete die Premiere der Weill-Oper "Street Scene" in einer Inszenierung von Nicholas Muni, dem künstlerischen Leiter der Cincinnati Opera. Weill selbst war der Meinung, dass diese Oper einmal als sein größtes und bedeutendstes Werk angesehen werden wird. "Street Scene" spiegelt das Zusammenleben verschiedener Nationen und Kulturen in den Straßen New Yorks wider - ein ernsthaftes Stück mit politischen Aspekten.
Die weltweit gefragte Sopranistin Christine Schäfer, zur ersten Riege ihrer Generation gehörend, iwar auf drei unterschiedlichen Veranstaltungen zu erleben. Ob Konzert, Liedmatinee oder Festivalcafè - Christine Schäfer hatte als Artist-in-Residence dem Kurt-Weill-Fest ein "Gesicht" geben. Ein besonderer Höhepunkt war dabei der gemeinsame Auftritt mit Max Raabe und seinem "Palastorchester", verschmelzten doch hier E- und U-Musik ineinander.
Die israelische Sängerin Esther Ofarim, mit ihrer einzigartigen Stimme, die unter die Haut geht, bot neue und alte Lieder dar. Für das Kurt-Weill-Fest hatte sie einige zusätzliche Lieder in ihr Repertoire aufgenommen, mit denen sie auf den jüdischen Spuren Weills wanderte.

Hatte man auch beim 12. Kurt-Weill-Fest alt Bewährtes, wie Festival-Cafés, Filme und den traditionellen Ball, der im Steigenberger-Hotel stattfand, präsentiert, stand auch Neues auf dem Programm. Neben den normalen Führungen durch das Bauhaus, die Meisterhäuser und die Siedlung Törten wurden Sonderführungen zu den Themen "Stadtkultur und Bauhaus" sowie "Musik und Feste am Bauhaus" angeboten. Die Kneipen in der Zerbster Straße wurden zur "Weill-Meile" und beteiligen sich mit besonderen Programmen am Kurt-Weill-Fest.