8. Kurt Weill Fest (2000)
100.Geburtstag Kurt Weills, 25.Gründungstag der Hochschule der Künste Berlin, 10.Geburtstag des Ausbildungsgangs Musical dort - da musste was Besonderes her. Eine ganze Woche hatte die Berliner Hochschule der Künste Kurt Weill gewidmet. An dem Vorläufer-Institut, der Hochschule für Musik und Darstellende Künste, war Weil ja mal Student in der Klasse bei Engelbert Humperdinck. Höhepunkt der Festwoche war die Aufführung eines vergessenen Weill-Musicals von 1948 Love Life. Für den Leiter der Musical-Klasse, den Komponisten Stanley Walden, war das zugleich seine letzte Produktion. Er stand am Pult. Als Musiker hatte man die demnächst von der Abwicklung betroffenen des Theaters des Westens bekommen. Die Produktion, war vom Samstag bis Montag, in Berlin zu sehen sollte dann auch im Frühjahr beim Weill-Fest in Dessau gezeigt werden. Ob man dem Musical später vielleicht auf einer der großen Bühnen begegnet, hatte sich gezeigt. Nicht zuletztte hat die Weill-Foundation in New York darüber ein gewichtiges Wort mitzureden. Die Produktion in Berlin war lediglich ein "Try-Out", eine Stück-Erprobung.

Love Life entstand im Spät-Sommer 1948: zwischen der Schuloper Down in the valley, die Weill auf Einladung des Fritz-Busch-Sohns Hans für einen Workshop in Bloomington/Indiana komponierte (und die dann in über hundert Produktionen bis nach New York getragen wurde); und der "Musical Tragedy" Lost in the Stars. Beides waren für Weill neuartige Werke auf dem Weg zu einer amerikanischen Oper. Lost in the Stars schrieb er nach dem Anti-Apartheid-Roman von Alan Paton. Und in der Inszenierung des einstigen Porgy and Bess-Regisseurs Rouben Mamoulian wurde es mit 273 Aufführungen zu einem der größten auch kommerziellen Erfolge Weills in Amerika, trotz oder gerade auch wegen des sehr ernsthaften Sujets. Love Life, in der Regie von Elia Kazan mit über 250 Vorstellungen auch nicht gerade ein Mauerblümchen - und obwohl Beobachter damals eine gewisse Stagnation meinten feststellen zu können -, Love Life gehört mehr in die Kategorie Musical. Das Stück hat Elemente einer Revue aber auch von einer Parabel. Die Autoren nannten es ein "Vaudeville". Gezeigt wird der Ehe-Alltag eines amerikanischen Paars, Sam & Susan, verfolgt durch drei Jahrhunderte zwischen 1791 und 1948: vom idyllischen Farmerdasein bis zum modernen Business-Alltag in New York. Beide Partner werden immer mehr in ihrem Beruf verschlissen, menschliche Beziehungen werden gesprengt. Und auch die Verlockungen des Single-Daseins mit seiner Scheinfreiheit - sie bleiben letztlich schal. Wie sehr Weill bei dieser Psycho-Show auf Erfahrungen des eigenen Lebens mit und neben Lotte Lenya zurückgreifen konnte, merkt man an der Kraft seiner Songs.